»Ein Buch für die Feinschmecker dialektischen Denkens«, schreibt Ulrich Brieler in ›Das Argument‹ (Heft 1 / 2026):


»›1923‹ ist ein kleines Vademekum in die Archäologie des westlichen Marxismus – und ein theoretisches Bekenntnis. Stapelfeldt begreift den historischen Materialismus als eine Philosophie der Praxis im doppelten Sinne. Er ist die reflektierte Gestalt einer Praxis, die sich immer wieder neu im Strudel der historischen Veränderungen der industriellen Gesellschaftsformation zurechtfinden muss. Er kann daher kein Dogma einer ewigen Wahrheit und einer geschichtsresistenten Universaltheorie sein. Und er ist praktische Gestalt einer Philosophie, die sich immer wieder neu den Veränderungen der Welt stellen muss, denen sie selbst unterworfen ist. Jedes kritische Denken muss daher radikal historisch und selbstkritisch sein. Die analytische Priorität dieses Materialismus bildet folgerichtig der oberflächliche Schein der Verhältnisse. Stapelfeldt will den Schein als zentrales Element des Alltagsverstandes markieren und ihn in aufklärerischer Absicht als zweite Natur demaskieren. So ist es alles andere denn zufällig, dass er in seinem abschließenden Epilog den Konformismus einer bestimmten Marx-Philologie attackiert. Die sog. Neue Marx-Lektüre skizziert er als neueste Variante eines dogmatisch-ungeschichtlichen Materialismus … 

Warum 1923? Ist es nur ein zufälliges Zusammentreffen dreier Arbeiten, die in der Krise des orthodoxen Marxismus ihren gemeinsamen Ausgangspunkt besitzen? Wohl kaum. 1923 ist der Höhepunkt einer revolutionären Krise, die der Erste Weltkrieg herausgepresst hat. Ein solcher Moment ist auch stets kairologisch aufgeladen. Je umfassender die Krise die Alltagswelten durchdringt, um so dringender das Bedürfnis nach innerweltlicher Erlösung. Dieser Augenblick schafft Raum für die Kritik des Überkommenen und eben für die Geburt einer runderneuerten materialistischen Denkungsart, in der die Kräfte der Subjekte und die Totalität ihrer Lebensformen neu taxiert werden.« (hier der ganze Text als PDF)



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Gerhard Stapelfeldt
1923
Lenin, Luxemburg, Korsch, Lukács, Bloch


Klappenbroschur
236 Seiten
ISBN 978-3-00-076990-0
24 Euro



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